Helmuth Hübener, geboren am 8. Januar 1925 in Hamburg, wächst in einer religiös geprägten Arbeiterfamilie auf. Wie die Mutter und die Gr0ßeltern gehört er der Glaubensgemeinschaft der Mormonen an. 1933 gelangt Hitler an die Macht. Hübener tritt wenige Jahre später in die Hitlerjugend ein, gerät jedoch bald in Konflikt mit dem dort herrschenden Drill und dem Zwang zur Unterordnung. Die zunehmend brutalere Ausgrenzung der deutschen Juden, die einen vorläufigen Höhepunkt in den Plünderungen, Brandstiftungen und Morden des Novemberpogroms 1938, der „Kristallnacht“, findet, lösen in Hübener ebenso Abscheu und Widerspruch aus, wie der Ausschluss der Juden vom Gottesdienst seiner Kirchengemeinde.

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16jährig beginnt H. 1941 eine Ausbildung als Verwaltungslehrling in der Hamburger Sozialbehörde. Deutschland befindet sich im zweiten Kriegsjahr. H. gelangt im Frühjahr in den Besitz eines Radios, mit dem er den britischen Rundfunk empfangen kann. Im damaligen Kriegsdeutschland galt bereits das bloße Abhören von sogenannten Feinsendern als Verbrechen, das mit Gefängnis, in schweren Fällen mit dem Tode bestraft wurde.

Hübener, schon längst in totaler Opposition zum Regime, nutzt die Informationsquelle und beginnt Flugblätter zu schreiben; anfangs in Form von Parolen wie „Freiheit! Nieder mit Hitler!“ in Kleinstauflagen, auf der Schreibmaschine mit Durchschlägen geschrieben. Er weiht zwei Freunde, wenig später einen Arbeitskollegen ein. Sie unterstützen ihn beim Abhören und Verteilen der Flugblätter in Hausfluren, Briefkästen und Telefonzellen. Verfasser der Texte bleibt Hübener. Er kontrastiert die Erfolgsmeldungen der deutschen Kriegspropaganda mit den Nachrichten des Gegners, prangert Kriegsverbrechen an, formuliert Appelle zum aktiven Widerstand und warnt vor den furchtbaren Folgen des von Hitler angezettelten Krieges. Insgesamt 60 Flugblätter kann die Gruppe verteilen.

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Im Februar 1942 wird H. bei dem Versuch, einen Kollegen zur Mitarbeit zu bewegen, von seinem Vorgesetzten beobachtet und denunziert. Die Gruppe wird verhaftet, brutal verhört und angeklagt.

Am 11 August 1942 wird H. in Berlin vom sogenannten Volksgerichtshof wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ und anderer Delikte zum Tode verurteilt. Seine drei Mitangeklagten erhalten Freiheitsstrafen zwischen vier und zehn Jahren. Sie überleben das Kriegsende.

Am 27 Oktober 1942 wird Hübener in der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee enthauptet. Er ist der jüngste durch den „Volksgerichtshof“ hingerichtete Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Helmuth Hübener trägt keinen großen Namen. Die historische Wahrnehmung und Würdigung der „Hübener-Gruppe“ im Nachkriegsdeutschland sind der breiten Öffentlichkeit weitgehend verborgen geblieben. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass die Flugblätter Helmuth Hübeners wirkungslos geblieben sind. Vielleicht erreichten sie einige Gleichgesinnte, die in ihnen ein Zeichen der Hoffnung sahen.

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Aus den Erinnerungen seiner Freunde wissen wir, dass Helmuth Hübener kein Phantast war, der sich Illusionen über greifbare Erfolge seiner Aktionen gemacht hätte. Für ihn zählte allein die moralische Verpflichtung, die Wahrheit sagen zu müssen, ein Zeichen zu setzen. Er war geprägt von einer klaren inneren Überzeugung dessen, was richtig und was falsch ist. Fast noch ein Kind, protestierte er in seiner Gemeinde gegen Gewalt und Ausgrenzung. Ein starkes Gerechtigkeitsempfinden und Toleranz kennzeichneten ihn ebenso wie sein kompromissloses Eintreten für Freiheit als Grundrecht, aber auch als Freiheit von Krieg und Barbarei, wie die später verfassten Flugblätter zeigen.

Eine solche Haltung, zumal bei einem Jugendlichen, ist auch heutzutage, obwohl grundrechtgarantiert, nicht selbstverständlich, damals war sie die Ausnahme. Zu viele sahen weg, wollten nichts wissen oder schwiegen, wenn sie wussten. Das soll nicht vorschnell verurteilt werden. Angst war schon immer ein mächtiges Repressionsinstrument.

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Umso bemerkenswerter und vorbildhafter aber sind dann eben jene, die mit bescheidensten Mitteln ihre Überzeugung von Recht und Gerechtigkeit gegen Zwang und Gewalt setzten. Wir nennen das auch „Zivilcourage“. Hierfür steht die Person Helmuth Hübeners als pädagogisches Leitbild, wobei sein Vermächtnis nicht lautet: „Stirb für deine Überzeugung“, sondern „Tritt rechtzeitig und immer für Überzeugungen ein, damit andere nicht dafür sterben müssen.“

Die Geschichte und das Schicksal der Hübener-Grupppe ähnelt in frappierender Weise dem der Gruppe um die Geschwister Scholl in München. Sie sind schon längst Identifikationsfiguren des deutschen Widerstandes. Sie sind die häufigsten Namensgeber für deutsche Schulen. Die Benennung unserer Schule nach Helmuth Hübener ist neben den genannten guten Gründen eine Geste der Achtung und des Respekts gegenüber jenen, die ebenso Widerstand leisteten und doch nahezu unbekannt blieben.

Bilder: Szenen und Tableaus zur Zivilcourage. DSp-Kurs bei der Umbennungsfeier am 27. Oktober 2011